Hat sich die Kanadische Goldrute in Ottawa ein Schiff genommen um nach Europa zu reisen?
Nein, sie wurde als Zierpflanze bei uns eingeführt.

Hat der Japanische Staudenknöterich in Tokio einen Flieger bestiegen um nach Europa zu gelangen?
Ebenfalls nein, denn er wurde als Zierstaude hier angepflanzt.

Das gilt übrigens auch für den in China heimischen Götterbaum. Der nicht eines Frühlings ergrünte und beschloss, ich werde ein Zierbaum in Europa.

Diese drei Pflanzen gelten heute als hochinvasiv. Sie flächendeckend zu beseitigen, ist kaum noch möglich. Lediglich ihre regionale Ausbreitung wird sich eindämmen lassen.
Und sie werden nicht die letzten Arten sein, die unsere Ökosysteme verändern oder ihnen schaden.

Bei diesen Pflanzen handelt es sich aber nicht um böswillige Invasoren, denn wir haben es ihnen leicht gemacht und sie hier angesiedelt. Immer noch werden potenziell invasive Arten im Gartenfachhandel angeboten.
Dass Gartenabfälle in Form von Grünschnitt oder Erdballen auch gerne im nächstgelegenen Gebüschsaum entsort werden, muss ich wohl nicht betonen. Von dort ist ihr Weg in natürliche Ökosysteme oft nicht mehr allzuweit.
Wir haben es aber nicht nur mit pflanzlichen, sondern auch mit tierischen Invasoren zu tun. Die zum Teil sogar mit guter Absicht bei uns eingeführt wurden.

So galt der Asiatische Marienkäfer für einige Zeit als biologischer Blattlausbekämpfer. Bis sich herausstellte, dass er sich schneller vermehrt als unsere heimischen Marienkäfer und dass ihm ihre Eier und Larven gut schmecken, hatte er sich bereits etabliert.
Mit dem Mexikanischen Flohkrebs beherberge auch ich eine potenziell invasive Art. Er sollte Bewegung in eines meiner Nanoaquarien bringen und hat dort sämtliche Pflanzen gefressen. Zudem hat er sich als winterhart und recht robust erwiesen, weshalb das Krebstier besser nicht in unsere Kanalisation gelangen darf.
Invasive Arten sind häufig das Ergebnis menschlicher Entscheidungen, doch auch die Natur selbst unterliegt einem ständigen Wandel. Ökosysteme verändern sich seit jeher. Während dieser Wandel früher über lange Zeiträume verlief, beschleunigt der Mensch ihn heute massiv.

Dieser Text und auch einige Bilder stammen aus meinem Youtube-Video zu invasiven Pflanzen.
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